Zum Inhalt springen
Whippet

Whippet

Herkunft: England

Eleganter, sanfter Windhund mit Sprinttalent und ausgeprägtem Kuschelbedürfnis - der perfekte Familienhund.

Steckbrief

Größe

Mittel

44-51 cm

Gewicht

7-14 kg

Lebenserwartung

12-15 Jahre

Aktivitätslevel

Aktiv

Familienfreundlichkeit

Sehr gut geeignet

Felltyp

Kurzhaar

Haarung

Wenig

Whippet: Der elegante Sprinter mit sanftem Herzen

Der Whippet ist ein Hund voller Gegensätze. Auf der Rennbahn ein blitzschneller Sprinter, der Geschwindigkeiten von bis zu 56 km/h erreicht, verwandelt er sich zu Hause in den gemütlichsten Couchbegleiter, den man sich vorstellen kann. Mit seiner schlanken Silhouette, den sanften Augen und seinem liebevollen Wesen hat sich der Whippet seinen Ruf als "perfekter Allrounder" unter den Windhunden redlich verdient.

Ursprünglich in England als Rennhund der Arbeiterklasse gezüchtet, vereint der Whippet die Eleganz und Schnelligkeit eines Windhundes mit einem unkomplizierten, anpassungsfähigen Charakter. Er wird nicht umsonst als "Poor Man's Greyhound" bezeichnet - denn er bietet all die Vorzüge eines Windhundes in einem kompakteren, pflegeleichteren Paket.

In diesem umfassenden Rasseportrait erfährst du alles, was du über den Whippet wissen musst - von seiner Größe über Temperament und Fellpflege bis hin zu Gesundheitsaspekten und spezifischen Bedürfnissen.

Größe und Erscheinungsbild: Schlank, elegant und athletisch

Der Whippet ist ein mittelgroßer Windhund, der durch seine harmonische, stromlinienförmige Figur besticht:

  • Schulterhöhe: 44-51 cm (Rüden 47-51 cm, Hündinnen 44-47 cm)
  • Gewicht: 7-14 kg (Rüden 9-14 kg, Hündinnen 7-12 kg)
  • Körperbau: Schlank, muskulös und aerodynamisch - jede Bewegung strahlt Eleganz aus
  • Lebenserwartung: 12-15 Jahre
  • Herkunft: England (19. Jahrhundert)

Typische Merkmale

  • Fell: Kurz, fein und dicht anliegend - fühlt sich samtig-glatt an
  • Augen: Groß, oval und ausdrucksvoll - der sanfte Blick ist eines der Markenzeichen der Rasse
  • Ohren: Klein, fein und rosenförmig zurückgelegt, bei Aufmerksamkeit halb aufgerichtet
  • Rute: Lang, dünn und elegant geschwungen, wird tief getragen und bei Bewegung leicht angehoben
  • Nase: Variiert je nach Fellfarbe - schwarz, braun oder fleischfarben
  • Bewegung: Fließend, raumgreifend und mühelos - der Whippet schwebt förmlich über den Boden, typisch für Windhunde ist der federnde Doppelsuspensionsgalopp

Der Whippet wirkt auf den ersten Blick zart und zerbrechlich, doch unter dem glatten Fell verbirgt sich ein kraftvoller Athlet. Seine tiefe Brust bietet Platz für ein großes Herz und leistungsfähige Lungen - die Grundlage für seine beeindruckende Geschwindigkeit.

Fellfarben

Der Whippet ist eine der farbenvielfältigsten Hunderassen überhaupt. Praktisch jede Farbe und Farbkombination ist im Rassestandard erlaubt:

  • Einfarbig: Schwarz, Weiß, Rot, Blau (Grau), Creme, Fawn (Rehbraun), Brindle (Gestromt)
  • Zweifarbig: Jede Farbe mit weißen Abzeichen (Parti-Color)
  • Gestromt (Brindle): Dunkle Streifen auf hellem Grund - besonders markant
  • Gescheckt: Großflächige Farbverteilung in verschiedenen Kombinationen
  • Sable: Haare mit dunklen Spitzen auf hellem Grund
  • Blau und Blau-Brindle: Ein elegantes Grau mit oder ohne Stromung

Diese enorme Farbvielfalt macht jeden Whippet zu einem Unikat und ist ein weiterer Grund für die wachsende Beliebtheit der Rasse.

Whippet in eleganter Pose – schlank und anmutig

Temperament und Wesen: Sanft, anhänglich und überraschend gemütlich

Das Wesen des Whippets überrascht viele Menschen, die zum ersten Mal einen kennenlernen. Hinter dem athletischen Äußeren verbirgt sich ein unglaublich sanfter und liebevoller Charakter:

  • Sanftmütig und sensibel: Der Whippet ist einer der feinfühligsten Hunde überhaupt - er spürt Stimmungen und reagiert einfühlsam auf seine Menschen
  • Anhänglich und verschmust: Liebt Körperkontakt und sucht ständig die Nähe seiner Familie - ein echter Kuschelexperte
  • Ruhig im Haus: Trotz seiner Schnelligkeit ist der Whippet zu Hause bemerkenswert ruhig und gelassen
  • Verspielt und humorvoll: Hat einen ausgeprägten Spieltrieb und überrascht immer wieder mit clownesken Einlagen
  • Anpassungsfähig: Fügt sich in verschiedene Lebenssituationen ein und kommt sowohl in der Stadt als auch auf dem Land zurecht
  • Nicht bellfreudig: Gehört zu den leisen Hunderassen und bellt nur selten - ein großer Vorteil in Wohnungen
  • Unabhängig, aber nicht distanziert: Typisch für Windhunde bewahrt sich der Whippet eine gewisse Eigenständigkeit, ohne dabei kühl zu wirken

Die Besonderheiten des Whippet-Charakters

Der Whippet wird oft als Katze unter den Hunden beschrieben - und das trifft es ziemlich gut. Er ist sauber, ruhig, eigenständig und liebt warme, bequeme Plätze über alles. Gleichzeitig ist er aber weitaus sozialer und menschenbezogener als eine Katze.

Der Sofa-Experte: Der Whippet hat eine regelrechte Leidenschaft für weiche Unterlagen. Er wird jede Decke, jedes Kissen und jedes Sofa in deinem Haus zu seinem persönlichen Thron erklären. Diese Vorliebe ist kein Erziehungsproblem, sondern rassetypisch - Whippets haben sehr wenig Unterhautfettgewebe und frieren leicht, weshalb sie instinktiv warme, weiche Liegeplätze bevorzugen.

Der Sprintinstinkt: Draußen kann sich der Whippet in Sekundenbruchteilen vom gemütlichen Spaziergänger zum rasanten Sprinter verwandeln. Ein Kaninchen, eine Katze oder ein flatterndes Blatt genügen, um den Jagdinstinkt zu aktivieren. Dieser Sichttrieb ist genetisch tief verankert und kann durch Training kontrolliert, aber nicht vollständig unterdrückt werden.

Sensibilität als Stärke und Herausforderung: Der Whippet nimmt Stimmungen, Spannungen und Veränderungen in seinem Umfeld extrem wahr. Das macht ihn zu einem wunderbar einfühlsamen Begleiter, bedeutet aber auch, dass er auf Stress, laute Stimmen und familiäre Konflikte empfindlich reagiert.

Aktivitätslevel: Sprintstar und Couchpotato in einem

Der Whippet hat ein hohes, aber gut reguliertes Aktivitätslevel. Anders als viele andere aktive Rassen kann der Whippet zwischen Vollgas und totaler Entspannung mühelos umschalten - eine Eigenschaft, die ihn so alltagstauglich macht.

Bewegungsbedarf

  • Täglicher Auslauf: 1-2 Stunden aktive Bewegung, idealerweise mit der Möglichkeit zum Freilauf
  • Sprintmöglichkeiten: Mindestens 2-3 Mal pro Woche die Chance zum freien Rennen auf einem sicher eingezäunten Gelände
  • Ruhephasen: Der Whippet liebt seine Ruhe und kann nach ausreichender Bewegung stundenlang entspannt dösen - bis zu 18 Stunden Schlaf am Tag sind normal

Geeignete Aktivitäten und Beschäftigung

Der Whippet ist vielseitiger als viele denken:

  • Coursing (Rennbahnlauf): Die artgerechteste Beschäftigung - der Whippet jagt einer mechanischen Hasenattrappe nach und lebt seinen Sprintinstinkt aus
  • Lure Coursing: Hetzjagd auf ein künstliches Lockziel über offenes Gelände - begeistert fast jeden Whippet
  • Agility: Überraschend wendig und schnell auf dem Parcours
  • Joggen und Radfahren: Ein guter Begleiter für kürzere bis mittlere Strecken (keine Langstrecke!)
  • Freilauf auf sicheren Flächen: Eingezäunte Wiesen oder Hundeparks für Sprinteinlagen
  • Suchspiele und Nasenarbeit: Auch Windhunde haben eine gute Nase und genießen geistige Herausforderungen
  • Spaziergänge mit Schnüffelzeit: Gemütliche Runden, bei denen der Whippet die Umgebung erkunden kann

Wichtige Unterscheidung: Sprinter, kein Marathonläufer

Der Whippet ist für kurze, explosive Sprints gemacht, nicht für stundenlanges Traben. Seine Muskulatur ist auf Schnelligkeit ausgelegt, nicht auf Ausdauer. Das bedeutet:

  • Kurze, intensive Renneinheiten sind wertvoller als lange Wanderungen
  • Nach einem guten Sprint braucht der Whippet Erholungszeit
  • Übermäßiges Ausdauertraining kann die Gelenke belasten
  • Im Winter braucht der Whippet bei Kälte einen Hundemantel - sein dünnes Fell und fehlendes Unterhautfett bieten wenig Schutz

Achtung: Ein Whippet, der nie frei rennen darf, wird auf Dauer unglücklich. Die Möglichkeit zum Sprint ist für sein Wohlbefinden ebenso wichtig wie regelmäßige Spaziergänge.

Whippet beim Sprint – seine Geschwindigkeit ist beeindruckend

Familienfreundlichkeit: Sehr gut - der geborene Familienhund

Der Whippet gehört zu den familienfreundlichsten Hunderassen überhaupt. Seine Sanftmut, Geduld und Anpassungsfähigkeit machen ihn zum idealen Begleiter für Familien aller Größen und Konstellationen.

Kinder und Whippet

  • Ältere Kinder (ab 6 Jahren): Hervorragende Spielkameraden - der Whippet liebt es, mit Kindern im Garten zu toben und zu rennen
  • Kleinkinder: Gut geeignet, aber der Whippet ist ein sensibler Hund - zu grober Umgang kann ihn verunsichern. Kinder müssen lernen, sanft mit ihm umzugehen
  • Gemeinsame Aktivitäten: Rennen, Apportieren, Kuscheln - der Whippet macht bei vielem begeistert mit
  • Beaufsichtigung: Wie bei jeder Rasse sollte das Zusammensein mit kleinen Kindern beaufsichtigt werden - nicht weil der Whippet aggressiv ist, sondern weil er bei grobem Umgang ausweichen oder erschrecken könnte

Zusammenleben mit anderen Haustieren

  • Andere Hunde: Sehr verträglich und sozial, genießt die Gesellschaft anderer Hunde - besonders anderer Windhunde
  • Katzen (im Haus aufgewachsen): Kann mit Katzen zusammenleben, die er von klein auf kennt - die Katze muss als Familienmitglied gelernt sein
  • Katzen und Kleintiere draußen: Der Sichttrieb macht freilaufende Katzen und Kleintiere zu potenzieller "Beute" - hier ist Vorsicht geboten
  • Kleintiere (Kaninchen, Meerschweinchen): Das Zusammenleben ist riskant - der Jagdinstinkt kann jederzeit ausgelöst werden

Für wen ist der Whippet geeignet?

  • Familien mit Kindern: Die einen sanften, geduldigen Hund suchen, der gerne spielt und kuschelt
  • Paare und Singles: Die einen ruhigen Mitbewohner mit Kuschelfaktor möchten
  • Senioren mit aktivem Lebensstil: Die regelmäßig spazieren gehen und sich einen pflegeleichten Begleiter wünschen
  • Wohnungsbesitzer: Der Whippet ist einer der wenigen mittelgroßen Hunde, die sich in einer Wohnung wohlfühlen - vorausgesetzt, er bekommt draußen genug Bewegung
  • Ersthundebesitzer: Der Whippet ist dank seines unkomplizierten Wesens durchaus für Hundeanfänger geeignet
  • Hundesportler: Die Coursing, Agility oder andere Sportarten betreiben möchten

Für wen ist der Whippet weniger geeignet?

  • Menschen, die einen Wachhund suchen: Der Whippet bellt kaum und ist Fremden gegenüber eher freundlich oder zurückhaltend
  • Halter mit freilaufenden Kleintieren: Kaninchen, Hühner oder Katzen im Garten können den Jagdinstinkt triggern
  • Sehr geräuschvolle, chaotische Haushalte: Extreme Unruhe und permanenter Lärm können den sensiblen Whippet stressen

Felltyp und Fellpflege: Minimal-Aufwand, maximale Eleganz

Der Whippet ist ein Traum für alle, die wenig Fellpflege mögen. Sein kurzes, feines Fell gehört zu den pflegeleichtesten im gesamten Hundespektrum.

Fellbeschaffenheit

  • Beschreibung: Sehr kurz, fein, dicht und glatt anliegend
  • Unterwolle: Keine bis minimal vorhanden
  • Besonderheit: Das Fell liegt so eng am Körper an, dass die Muskulatur deutlich sichtbar ist - ein Markenzeichen der Rasse
  • Haptik: Samtig-weich, fast wie ein dünner Seidenmantel

Fellpflege-Routine

Wöchentlich: 1 Mal bürsten (5 Minuten)

  • Kurzes Abreiben mit einem weichen Pflegehandschuh oder einer Gummibürste
  • Entfernt lose Haare und fördert die Durchblutung der Haut
  • Gibt dem Fell einen schönen Glanz

Nach Spaziergängen

  • Kurze Kontrolle auf Zecken - das kurze Fell macht es leicht, Parasiten zu entdecken
  • Bei Regen und Schmutz: Einfaches Abtrocknen mit einem Handtuch genügt meist
  • Im Winter: Hundemantel nach dem Spaziergang ausziehen und trocknen lassen

Alle 2-4 Wochen

  • Krallen kürzen, wenn sie sich nicht ausreichend ablaufen - Whippets haben oft empfindliche Pfoten
  • Ohren kontrollieren und bei Bedarf reinigen
  • Zähne kontrollieren

Alle 2-3 Monate oder bei Bedarf

  • Baden mit mildem Hundeshampoo - der Whippet neigt kaum zu Hundegeruch
  • Gründliche Kontrolle von Haut, Pfoten und Zähnen

Tipp: Die dünne Haut des Whippets ist anfällig für kleine Kratzer und Schürfwunden, besonders beim Spielen oder Rennen im Gebüsch. Kontrolliere deinen Whippet regelmäßig auf Hautverletzungen und behandle kleine Wunden zeitnah.

Haaren

Der Whippet haart wenig bis moderat und ganzjährig gleichmäßig. Im Vergleich zu Rassen mit dichter Unterwolle ist der Haarverlust minimal. Allergiker profitieren vom geringen Haarausfall, auch wenn kein Hund vollständig hypoallergen ist.

Der Hundemantel: Kein Accessoire, sondern Notwendigkeit

Ein wichtiger Aspekt der Whippet-Pflege ist der Kälteschutz. Durch das dünne Fell und das fehlende Unterhautfettgewebe frieren Whippets schnell. Ein gut sitzender Hundemantel ist bei Temperaturen unter 5-10°C keine Verwöhnung, sondern eine gesundheitliche Notwendigkeit:

  • Regenmantel: Für nasse Tage
  • Wintermantel: Gefüttert für kalte Temperaturen
  • Fleece-Pullover: Für kühle Abende zu Hause oder im Herbst
  • Schlafmantel/Pyjama: Viele Whippet-Besitzer nutzen leichte Mäntel auch für die Nacht

Trainierbarkeit: Kooperativ, aber mit Windhund-Eigensinn

Der Whippet ist intelligent und lernwillig, bringt aber den typischen Windhund-Charakter mit - er arbeitet gerne mit dir zusammen, aber auf seine eigene, elegante Art.

Warum der Whippet anders lernt

  • Eigenständiges Denken: Als Sichtjäger wurde der Whippet für schnelle, selbstständige Entscheidungen gezüchtet - er wartet nicht auf Kommandos, wenn er ein Ziel im Blick hat
  • Keine blinde Unterordnung: Der Whippet ist kein Schäferhund, der jeden Befehl sofort ausführt - er überlegt, ob es sich lohnt
  • Hohe Sensibilität: Reagiert extrem empfindlich auf Tonfall und Stimmung - harte Korrekturen zerstören das Vertrauen nachhaltig
  • Motivationsabhängig: Lernt am besten, wenn er den Sinn einer Übung versteht und die Belohnung stimmt

Trainingstipps für den Whippet

  1. Positive Verstärkung ist Pflicht: Der Whippet lernt ausschließlich über Belohnung - Leckerlis, Spielzeug und Lob. Strafe und Druck sind kontraproduktiv und beschädigen die Bindung
  2. Kurze, abwechslungsreiche Trainingseinheiten: 5-10 Minuten sind effektiver als lange Übungsstunden - der Whippet verliert bei Wiederholungen schnell das Interesse
  3. Hochwertige Belohnungen nutzen: Für den Rückruf und schwierige Übungen braucht es besonders attraktive Leckerlis - Käse, Hühnchen oder Leberwurst wirken Wunder
  4. Rückruftraining intensiv üben: Der Sichttrieb macht den Rückruf zur wichtigsten und gleichzeitig schwierigsten Übung - beginne früh und in ablenkungsarmer Umgebung
  5. Geduld und Humor bewahren: Der Whippet kann stur wirken, wenn er keine Motivation sieht - das ist kein Trotz, sondern Windhund-Natur
  6. Sozialisierung von Anfang an: Der Whippet-Welpe sollte möglichst viele Menschen, Hunde, Geräusche und Situationen kennenlernen, um sein Selbstvertrauen zu stärken
  7. Schleppleinentraining als Sicherheitsnetz: Bis der Rückruf zuverlässig funktioniert, ist die Schleppleine das wichtigste Werkzeug

Häufige Herausforderungen beim Training

  • Sichttrieb kontrollieren: Der größte Instinkt des Whippets - bewegte Objekte lösen sofortiges Hetzen aus. Ein Anti-Jagd-Training mit professioneller Unterstützung ist empfehlenswert
  • Rückruf in Ablenkung: Wenn der Whippet ein Kaninchen oder eine Katze sieht, ist kein Leckerli der Welt interessant genug - hier hilft nur vorausschauendes Management und sicherer Freilauf
  • Stubenreinheit: Whippet-Welpen brauchen manchmal etwas länger als andere Rassen - Geduld und Konsequenz zahlen sich aus
  • Alleinbleiben: Der anhängliche Whippet muss das Alleinsein schrittweise lernen - ein zweiter Hund kann hier sehr hilfreich sein

Whippet kuschelt auf dem Sofa – nach dem Sprint ein wahrer Couchpotato

Gesundheitsaspekte: Worauf du achten solltest

Lebenserwartung

Der Whippet hat eine Lebenserwartung von 12-15 Jahren, was für einen mittelgroßen Hund ein sehr guter Wert ist. Viele Whippets werden bei guter Pflege sogar 16 Jahre alt. Die Rasse gilt insgesamt als robust und gesund - ein großer Vorteil gegenüber vielen anderen Rassehunden.

Rassetypische Erkrankungen

Der Whippet ist im Vergleich zu vielen anderen Rassen relativ wenig von erblichen Erkrankungen betroffen. Dennoch gibt es einige Punkte, die du kennen solltest:

Genetisch testbar

  • BFJE (Balanced Fusion Joint Ectasia): Eine Erkrankung der Augenlinse - seriöse Züchter testen darauf
  • Myostatin-Gen (Bully Whippet Syndrom): Eine Genmutation, die zu übermäßiger Muskelmasse führt - Gentest verfügbar und bei verantwortungsvollen Züchtern Standard
  • Taubheit: Kann bei überwiegend weißen Whippets vorkommen - BAER-Test möglich

Gelegentlich auftretende Erkrankungen

  • Herzerkrankungen: Mitralklappeninsuffizienz kann im Alter auftreten - regelmäßige Herzuntersuchungen empfohlen
  • Augenkrankheiten: Progressive Retinaatrophie (PRA) und Katarakt kommen vor, sind aber selten
  • Kryptorchismus: Hodenhochstand bei Rüden - kommt bei Whippets etwas häufiger vor
  • Hautverletzungen: Die dünne Haut reißt leichter als bei anderen Rassen - kleine Schnitt- und Risswunden sind häufig

Besondere Beachtung

  • Narkoseempfindlichkeit: Wie alle Windhunde reagieren Whippets empfindlich auf bestimmte Narkosemittel (Barbiturate). Dein Tierarzt muss über die Windhund-spezifische Narkose informiert sein - dies ist lebenswichtig
  • Medikamentenempfindlichkeit: Der niedrige Körperfettanteil beeinflusst die Verteilung und Wirkung von Medikamenten - Dosierungen müssen angepasst werden
  • Kälteempfindlichkeit: Keine Krankheit, aber ein gesundheitliches Risiko - Unterkühlung kann bei ungeschützten Whippets schnell eintreten

Sportverletzungen

Als aktiver Sprinter ist der Whippet anfällig für bestimmte Sportverletzungen:

  • Zehenbrüche und Zerrungen: Besonders beim Coursing und freien Rennen
  • Muskelfaserrisse: Durch plötzliche Richtungswechsel beim Sprint
  • Schürfwunden und Risse: Die dünne Haut ist empfindlich
  • Kreuzbandverletzungen: Selten, aber möglich bei intensivem Sport

Vorbeugung: Ausreichendes Aufwärmen vor dem Sprint, regelmäßige Kontrolle der Pfoten und angemessene Erholungsphasen nach intensiver Bewegung.

Gesundheitsvorsorge

  • Seriöser Züchter: Achte auf Gentests (Myostatin, BFJE, PRA), Herzuntersuchungen und Augenuntersuchungen der Elterntiere
  • Regelmäßige Tierarztbesuche: Jährliche Vorsorge, ab dem 8. Lebensjahr halbjährlich
  • Herzuntersuchung: Regelmäßiges Abhören und bei Bedarf Herzultraschall
  • Gewichtskontrolle: Der Whippet sollte schlank sein - 2-3 Rippen leicht sichtbar, alle Rippen gut fühlbar. Übergewicht belastet Gelenke und Herz
  • Zahnpflege: Regelmäßiges Zähneputzen oder geeignete Kauartikel
  • Narkose-Information: Stelle sicher, dass dein Tierarzt Erfahrung mit Windhunden hat und die spezielle Narkoseführung kennt

Spezifische Bedürfnisse: Das braucht dein Whippet

Ernährung

  • Hochwertiges, proteinreiches Futter: Angepasst an den schlanken Körperbau und das hohe Aktivitätslevel
  • Zwei Mahlzeiten am Tag: Morgens und abends - eine einzelne große Mahlzeit ist nicht empfohlen
  • Futtermenge individuell anpassen: Whippets neigen weniger zu Übergewicht als andere Rassen, aber die Menge sollte dem Aktivitätslevel entsprechen
  • Omega-3-Fettsäuren: Unterstützen Haut, Fell und Gelenke - besonders wichtig bei der empfindlichen Whippet-Haut
  • Kein Überfüttern: Der Whippet soll schlank und athletisch bleiben - eine leichte Rippenkontur ist normal und gesund
  • Aufpassen bei Leckerlis: Der schmale Whippet nimmt schneller zu als man denkt - Trainingsbelohnungen in die Tagesration einrechnen
  • Erhöhter Futternapf: Kann dem schlanken Whippet das Fressen erleichtern und die Haltung beim Essen verbessern

Soziale Bedürfnisse

Der Whippet ist ein ausgeprägter Rudelhund und braucht enge soziale Bindungen:

  • Menschenbezogen: Braucht den engen Kontakt zu seiner Familie und möchte am Familienleben teilhaben
  • Zweithund empfohlen: Whippets blühen in Gesellschaft eines weiteren Hundes auf - idealerweise eines zweiten Windhundes. Ein Zweithund kann auch das Alleinebleiben erleichtern
  • Nicht gerne allein: Sollte nicht regelmäßig länger als 4-5 Stunden allein bleiben
  • Körperkontakt: Liebt es zu kuscheln und teilt am liebsten das Sofa (oder das Bett) mit seinen Menschen
  • Artgenossenverträglich: Genießt den Kontakt zu anderen Hunden, besonders bei gemeinsamen Renneinheiten

Wohnsituation

  • Wohnung möglich: Der Whippet ist einer der wenigen mittelgroßen Hunde, die sich auch in einer Wohnung wohlfühlen - er ist ruhig, bellt kaum und zerstört nichts
  • Haus mit Garten ideal: Ein sicher eingezäunter Garten bietet zusätzliche Bewegungsmöglichkeit
  • Zaun mindestens 1,50 m hoch: Der Whippet kann erstaunlich hoch springen - ein niedriger Zaun hält ihn nicht auf
  • Stadt und Land: Anpassungsfähig an beide Lebensumgebungen, solange regelmäßig sichere Freiflächen zum Rennen erreichbar sind
  • Warme, weiche Liegeplätze: Unverzichtbar - mindestens ein kuscheliges Hundebett mit Decke, besser mehrere im Haus verteilt
  • Kein Zwinger oder Außenhaltung: Der Whippet gehört ins Haus zu seiner Familie - Außenhaltung ist aufgrund seiner Kälteempfindlichkeit und seines Sozialbedürfnisses nicht artgerecht

Kosten im Überblick

  • Anschaffung (seriöser Züchter): 1.200-2.000 Euro
  • Erstausstattung: 250-500 Euro (Leine, Geschirr, Schleppleine, Näpfe, Hundebett, Spielzeug, Hundemäntel)
  • Futter: 50-90 Euro/Monat (je nach Futterqualität)
  • Tierarzt (Vorsorge): 200-400 Euro/Jahr
  • Hundeschule/Training: 30-100 Euro/Monat
  • Versicherung (Haftpflicht + OP): 25-50 Euro/Monat
  • Hundesteuer: Je nach Gemeinde 50-200 Euro/Jahr
  • Hundekleidung: 50-150 Euro/Jahr (Mäntel, Pullover - beim Whippet kein Luxus, sondern Bedarf)

Kälteschutz: Besondere Fürsorge für den Whippet

Einer der wichtigsten Aspekte der Whippet-Haltung ist der Schutz vor Kälte und Nässe. Der Whippet friert deutlich schneller als die meisten anderen Hunde:

  • Grundausstattung an Hundekleidung: Regenmantel, gefütterter Wintermantel und ein Fleece-Pullover gehören zur Basisausstattung
  • Drinnen kuschelig halten: Warme Hundebetten, Decken zum Einkuscheln und ein zugfreier Schlafplatz
  • Winter-Spaziergänge anpassen: Bei Minusgraden kürzere, aber häufigere Runden
  • Nach dem Baden gut abtrocknen: Der Whippet kühlt nach einem Bad schnell aus
  • Sonnenschutz im Sommer: Helle Whippets können Sonnenbrand bekommen - Hundensonnencreme auf empfindliche Stellen (Nase, Ohren, Bauch) auftragen

Geschichte und Herkunft: Vom Rennhund zum Familienliebling

Der Whippet hat eine faszinierende Geschichte, die eng mit der englischen Arbeiterklasse verbunden ist. Im 18. und 19. Jahrhundert züchteten Bergarbeiter und Textilarbeiter in Nordengland einen schnellen, kompakten Windhund, der sowohl zur Kaninchenjagd als auch für Hunderennen eingesetzt werden konnte.

  • Entstehung: Kreuzung aus kleinen Greyhounds mit Terriern und möglicherweise italienischen Windhunden
  • Spitzname: "Poor Man's Greyhound" oder "Lightning Rag Dog" (nach den Lumpenfetzen, die als Lockziel bei Rennen verwendet wurden)
  • FCI-Anerkennung: Gruppe 10 (Windhunde), Sektion 3 (Kurzhaarige Windhunde)
  • Entwicklung: Vom Arbeitshund über den Rennhund zum beliebten Familien- und Ausstellungshund
  • Heute: Wachsende Beliebtheit als Familienhund, gleichzeitig weiterhin aktiv im Coursing und auf der Rennbahn

Whippet aus dem Tierschutz

Auch Whippets suchen im Tierschutz ein neues Zuhause. Häufig handelt es sich um ehemalige Rennhunde oder Hunde, deren Halter die Bedürfnisse unterschätzt haben. In Windhund-Nothilfen und allgemeinen Tierschutzorganisationen warten immer wieder Whippets auf eine zweite Chance.

Vorteile eines Tierschutz-Whippets:

  • Der Charakter ist bereits ausgeprägt und einschätzbar
  • Erwachsene Whippets sind häufig bereits stubenrein und kennen das Zusammenleben im Haus
  • Die Nothilfe informiert dich über Besonderheiten und eventuelle Baustellen
  • Du gibst einem Hund eine zweite Chance
  • Schutzgebühr liegt bei ca. 250-400 Euro

Wichtig: Ehemalige Rennhunde kennen oft kein normales Familienleben. Sie müssen Treppen, Glasscheiben, Fernseher und den Alltag erst kennenlernen. Mit Geduld und Einfühlungsvermögen gewöhnen sich die meisten Whippets aber schnell ein und werden zu wunderbaren Familienmitgliedern.

Fazit: Ist der Whippet der richtige Hund für dich?

Der Whippet ist ein außergewöhnlich vielseitiger und liebenswerter Hund, der das Beste aus zwei Welten vereint - die Eleganz und Sportlichkeit eines Windhundes mit der Sanftmut und Anpassungsfähigkeit eines Familienhundes.

Der Whippet passt zu dir, wenn du:

  • Einen sanften, ruhigen Hund möchtest, der dich zum Lachen bringt und gerne kuschelt
  • Regelmäßig die Möglichkeit zum sicheren Freilauf bieten kannst
  • Bereit bist, deinen Hund mit Hundekleidung vor Kälte zu schützen
  • Einen pflegeleichten Hund suchst, der wenig haart und kaum bellt
  • Akzeptierst, dass dein Sofa ab sofort geteilt wird
  • Einen Hund möchtest, der sich sowohl in der Wohnung als auch im Haus wohlfühlt
  • Freude an einem eleganten Begleiter hast, der überall Blicke auf sich zieht

Der Whippet passt weniger zu dir, wenn du:

  • Einen zuverlässigen Wachhund brauchst
  • Freilaufende Kleintiere im Haushalt hast, die nicht geschützt werden können
  • Deinen Hund regelmäßig den ganzen Tag allein lassen musst
  • Kein Verständnis für den Windhund-Eigensinn aufbringst
  • Einen Hund suchst, der perfekten Gehorsam auf dem Hundeplatz zeigt

Der Whippet ist ein Hund, der das Leben leichter und schöner macht. Er bringt Ruhe ins Haus, Freude in den Alltag und Eleganz in jeden Spaziergang. Wer einmal einen Whippet hatte, möchte selten wieder eine andere Rasse - und viele Whippet-Besitzer enden mit zwei, drei oder noch mehr dieser wunderbaren Windhunde. Denn: Ein Whippet kommt selten allein.

Ähnliche Rassen

Mehr Ratgeber für dich

Alles, was du für ein glückliches Hundeleben mit Whippet wissen musst.