Zum Inhalt springen

Übergewicht erkennen und vermeiden

Jeder zweite Hund in Deutschland ist übergewichtig – und die Folgen sind gravierend: Gelenkprobleme, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine deutlich verkürzte Lebenserwartung. Das Gute: Mit der richtigen Futtermenge und ausreichend Bewegung lässt sich Übergewicht einfach vermeiden – und bestehendes Übergewicht gesund abbauen.

Hund beim Rippen-Test – so erkennst du Übergewicht und das Idealgewicht deines Hundes.
Inhaltsverzeichnis

Warum Übergewicht so gefährlich ist

Übergewicht ist keine kosmetische Frage, sondern ein ernstes Gesundheitsproblem. Jedes Kilogramm zu viel belastet Gelenke, Bänder und Wirbelsäule – Arthrose und Bandscheibenvorfälle sind häufige Folgen. Das Herz muss mehr Gewebe versorgen und arbeitet dauerhaft über der Belastungsgrenze. Das Risiko für Diabetes mellitus, Bauchspeicheldrüsenentzündung und bestimmte Krebsarten steigt signifikant. Studien zeigen, dass übergewichtige Hunde bis zu zwei Jahre kürzer leben als ihre normalgewichtigen Artgenossen. Übergewicht ist die häufigste ernährungsbedingte Erkrankung beim Hund – und die am einfachsten zu vermeidende.

Übergewicht erkennen: Der Rippen-Test

Der einfachste Weg, das Gewicht deines Hundes einzuschätzen, ist der Rippen-Test: Streiche mit leichtem Druck über den Brustkorb. Bei Idealgewicht solltest du die Rippen ohne Druck fühlen, aber nicht sehen können. Sind die Rippen nur mit Druck oder gar nicht tastbar, ist dein Hund wahrscheinlich übergewichtig. Betrachte deinen Hund auch von oben: Bei Idealgewicht ist eine deutliche Taille hinter den Rippen erkennbar. Von der Seite sollte die Bauchlinie leicht nach oben verlaufen. Fehlt die Taille und hängt der Bauch, ist es Zeit zu handeln. Dein Tierarzt kann mit dem Body Condition Score (BCS) eine genauere Einschätzung vornehmen.

Ursachen: Warum Hunde zu dick werden

Die Hauptursache ist simpel: zu viel Futter und zu wenig Bewegung. Die Angaben auf Futterverpackungen sind oft zu großzügig bemessen und berücksichtigen nicht den individuellen Energiebedarf deines Hundes. Leckerlis, Kauartikel und Tischreste werden häufig nicht zur Tagesration gezählt – dabei machen sie bei vielen Hunden 20 bis 30 Prozent der täglichen Kalorien aus. Kastrierte Hunde haben einen um bis zu 30 Prozent reduzierten Energiebedarf, was bei gleichbleibender Futtermenge schnell zu Gewichtszunahme führt. Auch genetische Veranlagung spielt eine Rolle: Labrador, Beagle und Cocker Spaniel neigen rassebedingt zu Übergewicht.

Gesund abnehmen: So geht die Hunde-Diät

Reduziere die Futtermenge langsam um 10 bis 20 Prozent und wiege das Futter ab – Schätzen führt fast immer zu Überfütterung. Ersetze kalorienreiche Leckerlis durch Gemüsesticks aus Karotte, Gurke oder Apfel. Steigere die tägliche Bewegung schrittweise, um Gelenke und Kreislauf nicht zu überlasten. Ziel ist eine Gewichtsabnahme von maximal 1 bis 2 Prozent des Körpergewichts pro Woche – zu schnelles Abnehmen belastet die Leber und führt zu Muskelabbau statt Fettabbau. Wiege deinen Hund wöchentlich und dokumentiere den Fortschritt. Dein Tierarzt kann ein spezielles Diätfutter empfehlen, das bei reduzierter Kalorienzufuhr alle Nährstoffe liefert.

Vorbeugung: So bleibt dein Hund schlank

Vorbeugung ist einfacher als eine Diät. Wiege das Futter bei jeder Mahlzeit ab und halte dich an die empfohlene Tagesmenge – angepasst an Alter, Aktivität und Kastrationsstatus. Rechne Leckerlis, Kauartikel und Trainingsbelohnungen in die Tagesration ein. Etabliere feste Fütterungszeiten statt den Napf den ganzen Tag stehen zu lassen. Sorge für tägliche Bewegung – mindestens 30 Minuten zügiges Gehen plus Spieleinheiten. Und das Wichtigste: Widerstehe den Hundeaugen am Esstisch. Liebe zeigt sich nicht in Futter, sondern in Aufmerksamkeit, Spiel und gemeinsamer Zeit.

Praxis-Tipps: Übergewicht erkennen und vermeiden

  • Rippen-Test: Rippen sollten ohne Druck fühlbar, aber nicht sichtbar sein
  • Taille von oben sichtbar? Perfekt. Keine Taille erkennbar? Wahrscheinlich Übergewicht
  • Futtermenge abwiegen und nach Körpergewicht, Alter und Aktivität berechnen
  • Leckerlis zählen: Sie machen oft 20–30 % der täglichen Kalorien aus – entsprechend weniger Hauptfutter geben
  • Langsam abnehmen: Maximal 1–2 % Körpergewicht pro Woche – zu schnell schadet der Leber
  • Nach Kastration: Energiebedarf sinkt um bis zu 30 % – Futtermenge anpassen!

Häufige Fragen zu Übergewicht erkennen und vermeiden

Wie erkenne ich, ob mein Hund zu dick ist?

Mach den Rippen-Test: Streiche mit leichtem Druck über den Brustkorb. Die Rippen sollten ohne Druck fühlbar sein. Betrachte deinen Hund von oben – eine deutliche Taille sollte erkennbar sein. Im Zweifel: Tierarzt fragen und den Body Condition Score bestimmen lassen.

Wie viel sollte mein Hund wiegen?

Das Idealgewicht hängt von Rasse, Größe und Körperbau ab. Dein Tierarzt kann das individuelle Idealgewicht bestimmen. Als grobe Orientierung: Beim Idealgewicht sind Rippen fühlbar, die Taille ist von oben sichtbar und die Bauchlinie verläuft leicht nach oben.

Mein Hund ist kastriert und nimmt zu – was tun?

Kastrierte Hunde haben einen um bis zu 30 Prozent reduzierten Energiebedarf. Reduziere die Futtermenge entsprechend oder steige auf ein Light-Futter um. Erhöhe gleichzeitig die Bewegung. Wiege das Futter ab und zähle alle Leckerlis zur Tagesration.