Die ersten Wochen mit Welpe
Die ersten Wochen mit einem Welpen sind aufregend, anstrengend und wunderschön zugleich. Dein Welpe hat gerade alles verloren, was er kannte – seine Mutter, die Geschwister, die vertraute Umgebung. Jetzt bist du seine neue Bezugsperson. Mit Geduld, Struktur und viel Liebe legst du in diesen ersten Wochen das Fundament für ein ganzes Hundeleben.

Inhaltsverzeichnis
Vor dem Einzug: Wohnung welpensicher machen
Bevor dein Welpe einzieht, solltest du die Wohnung aus seiner Perspektive betrachten – also auf Knien. Stromkabel, Putzmittel, Schokolade, Zimmerpflanzen (viele sind giftig für Hunde) und Kleinteile, die verschluckt werden können, müssen außer Reichweite sein. Ein Welpengitter an Treppen und vor Räumen, die tabu sind, ist sinnvoll. Richte einen festen Schlafplatz ein – idealerweise in deinem Schlafzimmer, denn die Nähe zu dir gibt dem Welpen Sicherheit. Dazu eine Transportbox oder ein Hundebett, Wasser- und Futternapf, Welpentoilette (Pads für die Übergangszeit) und ein paar altersgerechte Spielzeuge. Bitte keinen Kellerraum oder die Garage – dein Welpe braucht Familienanschluss.
Der Abholtag: So holst du deinen Welpen richtig ab
Am besten holst du deinen Welpen vormittags ab, damit er den restlichen Tag hat, um die neue Umgebung in Ruhe zu erkunden. Nimm eine Transportbox mit weicher Decke (frag den Züchter vorher nach einem Tuch mit dem Geruch der Mutter), Küchenpapier für eventuelle Übelkeit, Wasser und ein paar Leckerlis mit. Fahre ruhig und mache bei längeren Fahrten Pausen. Zu Hause angekommen, zeig dem Welpen zuerst seinen Löseplatz im Garten oder vor der Tür. Lass ihn dann in Ruhe die Wohnung erkunden – ohne Besuch, ohne Aufregung. Die ersten Stunden gehören nur euch.
Die erste Nacht: Überleben ohne Schlaf
Die erste Nacht ist für die meisten Welpenbesitzer eine Herausforderung. Dein Welpe ist zum ersten Mal allein, ohne seine Geschwister, ohne die vertraute Wärme. Stelle sein Bett oder seine Box neben dein Bett, damit er dich hören und riechen kann. Eine tickende Uhr oder eine Wärmflasche (nicht zu heiß, gut umwickelt) kann den Herzschlag der Mutter simulieren. Wenn der Welpe fiept, leg kurz deine Hand an die Box und sprich beruhigend. Steh nicht jedes Mal auf, um ihn hochzunehmen – sonst lernt er, dass Fiepen dich herbeizaubert. Gleichzeitig solltest du ihn nicht stundenlang schreien lassen. Nachts muss ein Welpe alle 2 bis 3 Stunden raus zum Lösen. Stelle dir einen Wecker und trage ihn ruhig nach draußen. Die ersten Nächte sind hart, aber nach einer Woche hat sich meist ein Rhythmus eingespielt.
Tagesablauf für Welpen: Struktur gibt Sicherheit
Welpen brauchen einen festen Tagesablauf. Das gibt ihnen Sicherheit und erleichtert die Erziehung enorm. Ein beispielhafter Tagesplan für einen 10 Wochen alten Welpen: 6:30 Uhr aufstehen, sofort raus zum Lösen. 7:00 Uhr Frühstück. 7:30 Uhr kurze Spielzeit (10 Minuten). 8:00–10:00 Uhr Schlafen. 10:00 Uhr Rausgehen, kurzer Spaziergang (10–15 Minuten). 10:30–12:00 Uhr Ruhen. 12:00 Uhr Mittagessen. 12:30 Uhr Löserunde. 13:00–15:00 Uhr Schlafen. 15:00 Uhr Spielzeit oder Mini-Training (5 Minuten). 15:30–17:00 Uhr Ruhen. 17:00 Uhr Spaziergang. 17:30 Uhr Abendessen. 18:00–21:00 Uhr Familienzeit und Ruhephasen. 21:00 Uhr Letzte Löserunde, dann Schlafenszeit. Passe den Plan an deinen Welpen an – manche schlafen mehr, andere weniger.
Bindung aufbauen: Der Schlüssel zu allem
Die Bindung zu deinem Welpen entsteht durch gemeinsame positive Erlebnisse, Verlässlichkeit und Sicherheit. Sei die Person, die füttert, spielt, tröstet und Schutz bietet. Verbringe viel Zeit auf dem Boden auf Augenhöhe deines Welpen. Lass ihn zu dir kommen, statt ihn zu bedrängen. Sprich mit ruhiger, freundlicher Stimme. Handfeeding – also das Futter von Hand geben – ist eine fantastische Methode, um die Bindung in den ersten Wochen zu stärken. Gleichzeitig lernst du so schon kleine Übungen wie Blickkontakt und Namensreaktion. Vermeide in den ersten Tagen zu viel Besuch, zu viele neue Orte und Überforderung. Dein Welpe braucht erst eine sichere Basis bei dir, bevor er die große weite Welt erkunden kann.
Die ersten Tierarztbesuche
Innerhalb der ersten Woche nach dem Einzug solltest du mit deinem Welpen zum Tierarzt. Dieser Erstcheck dient dazu, den allgemeinen Gesundheitszustand zu prüfen, den Impfstatus zu kontrollieren und einen Entwurmungsplan zu erstellen. Bring den Impfpass und den Kaufvertrag mit. Mache den Tierarztbesuch zu einem positiven Erlebnis: Nimm Leckerlis mit und lass den Welpen die Praxis in Ruhe beschnuppern. Viele Tierarztpraxen bieten spezielle Welpen-Gewöhnungstermine an – frage danach. In den ersten Lebensmonaten stehen mehrere Impftermine an: die Grundimmunisierung gegen Parvovirose, Staupe, HCC, Leptospirose und später Tollwut. Dein Tierarzt wird dir einen individuellen Impfplan erstellen.
Praxis-Tipps: Die ersten Wochen mit Welpe
- ✓Hol deinen Welpen vormittags ab – so hat er den ganzen Tag zum Ankommen
- ✓Ein Tuch mit dem Geruch der Mutter erleichtert die Eingewöhnung enorm
- ✓Stelle den Schlafplatz neben dein Bett – die Nähe gibt Sicherheit
- ✓Führe von Tag 1 einen festen Tagesablauf ein
- ✓Lass den Welpen in den ersten 48 Stunden in Ruhe ankommen – kein Besuch
- ✓Handfeeding stärkt die Bindung und ist gleichzeitig Training
- ✓Nachts alle 2–3 Stunden zum Lösen rausgehen – Wecker stellen
- ✓Mache den ersten Tierarztbesuch zum positiven Erlebnis
Häufige Fragen zu Die ersten Wochen mit Welpe
Wie lange dauert die Eingewöhnung eines Welpen?▼
Die meisten Welpen brauchen 2 bis 4 Wochen, um sich in ihrem neuen Zuhause sicher zu fühlen. Die erste Woche ist die intensivste: Der Welpe lernt den Tagesablauf, die Hausbewohner und die Grundregeln kennen. Nach 2 Wochen zeigen die meisten Welpen schon deutlich mehr Selbstvertrauen. Die vollständige Bindung vertieft sich über Monate.
Soll mein Welpe im Schlafzimmer schlafen?▼
Ja, besonders in den ersten Wochen. Die Nähe zu dir gibt dem Welpen Sicherheit und erleichtert die Stubenreinheit, weil du merkst, wenn er unruhig wird und raus muss. Du kannst den Schlafplatz später schrittweise aus dem Schlafzimmer verlagern, wenn du das möchtest. Viele Hunde schlafen ihr Leben lang gern in der Nähe ihrer Bezugsperson.
Wie viel Schlaf braucht ein Welpe?▼
Welpen schlafen 18 bis 20 Stunden am Tag – das ist völlig normal und wichtig für die Entwicklung. Im Schlaf verarbeitet der Welpe neue Eindrücke und sein Gehirn und Körper wachsen. Sorge für ausreichend Ruhephasen und verhindere Übermüdung: Ein überdrehter Welpe, der alles anknabbert und beißt, ist oft einfach nur müde.
Was tun, wenn mein Welpe nachts jault?▼
Zunächst prüfen: Muss er raus? Hat er Hunger oder Durst? Ist die Box zu warm oder zu kalt? Wenn alles in Ordnung ist, lege kurz die Hand an die Box und sprich beruhigend. Lass den Welpen nicht stundenlang schreien, aber steh auch nicht bei jedem Mucks auf. Ein guter Mittelweg: Reagiere auf echtes Weinen, ignoriere kurzes Fiepen. Nach 3 bis 5 Nächten wird es deutlich besser.
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