Welpengesundheit: Impfungen, Vorsorge & Zahnwechsel
Die Gesundheitsvorsorge in den ersten Lebensmonaten entscheidet mit darüber, wie gesund dein Hund sein ganzes Leben lang bleibt. Von der Grundimmunisierung über regelmäßige Entwurmungen bis zum Zahnwechsel – hier erfährst du, welche Maßnahmen wann wichtig sind und wie du Warnsignale frühzeitig erkennst.

Inhaltsverzeichnis
Der Welpen-Impfplan: Grundimmunisierung Schritt für Schritt
Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) empfiehlt folgende Grundimmunisierung: Ab der 8. Lebenswoche: Erste Impfung gegen Staupe, HCC (Hepatitis), Parvovirose und Leptospirose. Ab der 12. Lebenswoche: Zweite Impfung gegen Staupe, HCC, Parvovirose und Leptospirose, plus erste Tollwut-Impfung. Ab der 16. Lebenswoche: Dritte Impfung gegen Staupe, HCC und Parvovirose (besonders wichtig, da maternale Antikörper die früheren Impfungen abgeschwächt haben können). Mit 15 Monaten: Auffrischung aller Impfungen. Danach werden Staupe, HCC und Parvovirose alle 3 Jahre aufgefrischt, Leptospirose und Tollwut jährlich. Zusätzlich kann je nach Lebensstil eine Impfung gegen Zwingerhusten (Parainfluenza + Bordetella) sinnvoll sein, zum Beispiel vor der Welpenschule oder dem Tierheim-Besuch.
Entwurmung und Parasitenschutz
Welpen werden häufig bereits im Mutterleib oder über die Muttermilch mit Spulwürmern infiziert. Der Züchter sollte die Welpen ab der 2. Lebenswoche alle 2 Wochen entwurmt haben. Nach dem Einzug bei dir: Entwurmung alle 2 bis 4 Wochen bis zum Alter von 6 Monaten, danach mindestens 4-mal jährlich oder nach Kotuntersuchung. Gegen äußere Parasiten (Zecken, Flöhe) schützen Spot-on-Präparate, Kautabletten oder spezielle Halsbänder. Achtung: Nicht alle Präparate sind für Welpen geeignet – sprich mit deinem Tierarzt über das passende Produkt und die richtige Dosierung. Zecken können Borreliose und Babesiose übertragen, Flöhe Bandwürmer. Also Parasitenschutz ernst nehmen.
Zahnwechsel beim Welpen: Was du wissen musst
Welpen werden mit 28 Milchzähnen geboren (oder entwickeln sie in den ersten Wochen). Ab dem 4. Lebensmonat beginnt der Zahnwechsel: Die Milchzähne fallen aus und werden durch 42 bleibende Zähne ersetzt. Der Prozess dauert bis zum 7. Monat. Während des Zahnwechsels hat dein Welpe verstärkten Kautrieb, kann vermehrt sabbern und eventuell weniger fressen. Das ist normal. Biete viele Kauartikel an: gekühlte Kauspielzeuge aus Gummi, gefrorene Karotten, Kalbsohren oder Kauwurzeln. Kontrolliere regelmäßig das Gebiss: Persistierende Milchzähne (die nicht ausfallen, obwohl der bleibende Zahn schon durchbricht) müssen vom Tierarzt gezogen werden, da sie zu Fehlstellungen und Entzündungen führen können.
Chippen und EU-Heimtierausweis
Seit 2010 ist der Mikrochip für Hunde in Deutschland keine bundesweite Pflicht, aber in den meisten Bundesländern vorgeschrieben und bei seriösen Züchtern Standard. Der Chip wird unter die Haut an der linken Halsseite implantiert und enthält eine 15-stellige Nummer. Registriere deinen Welpen bei TASSO oder dem Deutschen Haustierregister – im Falle des Entlaufens kann er so identifiziert und dir zugeordnet werden. Für Reisen innerhalb der EU ist der blaue EU-Heimtierausweis mit eingetragener Chipnummer und Tollwutimpfung Pflicht. Dein Tierarzt stellt den Ausweis aus und trägt alle Impfungen ein.
Wann zum Tierarzt? Warnsignale erkennen
Welpen sind anfälliger für Krankheiten als erwachsene Hunde, weil ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Gehe sofort zum Tierarzt bei: anhaltendem Durchfall (länger als 24 Stunden oder blutig), Erbrechen (mehrfach oder mit Blut), Appetitlosigkeit (länger als einen Tag), Lethargie und Teilnahmslosigkeit, Fieber (über 39,5 Grad – rektal gemessen), aufgeblähtem Bauch, Lahmheit oder Schmerzäußerungen, Husten, Niesen oder Nasenausfluss, Krämpfen oder Zittern. Besonders gefährlich für Welpen sind Parvovirose (blutiger Durchfall, Erbrechen, schnelle Dehydrierung – kann tödlich sein), Giardien (wässriger Durchfall, Blähungen), Zwingerhusten (bellender Husten, Nasenausfluss) und Vergiftungen.
Kastration: Wann und ob?
Die Frage der Kastration ist individuell und sollte mit dem Tierarzt besprochen werden. Bei Rüden gibt es selten medizinische Gründe für eine Frühkastration – Verhaltensprobleme wie Markieren oder Aufreiten lassen sich oft durch Training lösen. Bei Hündinnen kann eine Kastration vor der ersten Läufigkeit das Brustkrebsrisiko deutlich senken. Allerdings gibt es auch Studien, die negative Auswirkungen einer zu frühen Kastration auf die Gelenkentwicklung zeigen – besonders bei großen Rassen. Der aktuelle Trend geht zu einer späteren Kastration (frühestens nach der Pubertät, bei großen Rassen nach dem 18. Monat) oder einer individuellen Einzelfallentscheidung. Eine reine Bequemlichkeitskastration ohne medizische Indikation ist in Deutschland nach dem Tierschutzgesetz eigentlich verboten.
Praxis-Tipps: Welpengesundheit: Impfungen, Vorsorge & Zahnwechsel
- ✓Halte den Impfpass deines Welpen immer aktuell und bring ihn zu jedem Tierarztbesuch mit
- ✓Registriere den Chip bei TASSO oder dem Deutschen Haustierregister
- ✓Entwurmung alle 2–4 Wochen im ersten halben Jahr
- ✓Während des Zahnwechsels (Monat 4–7): viele Kauartikel anbieten
- ✓Kontrolliere regelmäßig auf persistierende Milchzähne
- ✓Parasitenschutz (Zecken, Flöhe) mit dem Tierarzt abstimmen
- ✓Mache den Tierarztbesuch zum positiven Erlebnis (Leckerlis, Ruhe)
- ✓Lege einen Notfallplan an: Tierarzt-Nummer, Giftzentrale, Notdienst
Häufige Fragen zu Welpengesundheit: Impfungen, Vorsorge & Zahnwechsel
Welche Impfungen braucht mein Welpe?▼
Die Core-Impfungen gegen Staupe, HCC, Parvovirose und Leptospirose sind für jeden Welpen empfohlen. Tollwut kommt ab der 12. Woche dazu. Optional: Zwingerhusten (besonders bei viel Hundekontakt). Die Grundimmunisierung erfordert 3 Impftermine (Woche 8, 12 und 16) plus eine Auffrischung mit 15 Monaten.
Wann verliert mein Welpe die Milchzähne?▼
Der Zahnwechsel beginnt ab dem 4. Lebensmonat und dauert bis zum 7. Monat. Die Schneidezähne fallen meist zuerst aus, dann die Eckzähne und zuletzt die Prämolaren. Du findest die Milchzähne manchmal im Futter oder auf dem Boden – oft verschluckt der Welpe sie aber einfach, was harmlos ist.
Wie oft muss ich meinen Welpen entwurmen?▼
Bis zum 6. Lebensmonat: alle 2 bis 4 Wochen. Danach: mindestens 4-mal jährlich. Alternativ kannst du 4-mal jährlich eine Kotprobe untersuchen lassen und nur bei positivem Befund entwurmen. Welpen mit viel Hundekontakt oder die gern Undefinierbares fressen, sollten häufiger kontrolliert werden.
Ab wann darf mein Welpe nach draußen?▼
In den eigenen Garten und auf saubere Wege sofort nach dem Einzug. Auf Hundewiesen, in Parks und zu Hundekontakten erst nach der zweiten Impfung (ab Woche 12–13), da vorher kein ausreichender Impfschutz besteht. Trotzdem: Die Sozialisierung ist in Woche 8 bis 16 entscheidend. Trage deinen Welpen an belebte Orte, ohne ihn abzusetzen, und arrangiere kontrollierte Treffen mit geimpften Hunden.
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